Fragen wir ihn doch einfach | *Update*

Geld kann Konzepte nicht ersetzen. Ein oft gehörtes Kredo von Mathias Brodkorb. Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern (SPD) verlangt langfristig finanzierbare Strukturen und klare Botschaften. Es mussten keine 100 Tage im Amt vergehen, bis sich offene Kritik an diesem Ansatz aufzeigte. Die Kreativen im Land verlangten mehr Geld für die Theater. Brodkorb versprach Reformen, jedoch ohne Kürzung des Etats für die breite Theaterlandschaft. Ähnlich äußerte sich der SPD-Politiker in einem NDR-Interview. Er sprach, mit Blick auf die steigenden Studierendenzahlen an den Universitäten des Landes, von einem „Aufbau West“. Dennis Kwiatkowski, Senator der Universität Greifswald, zeigte sich bissig und erwiderte „(…) wenn man möchte, dass die Leute in Mecklenburg Vorpommern studieren – und nichts anderes impliziert die Kampagne des Bildungsministeriums „Studieren mit Meerwert“ – dann sollte man die Hochschulen auch finanziell so ausstatten.“

Große Aufgaben und kein Geld zur Verfügung?

Mathias Brodkorb (SPD), Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern

Viele weitere Baustellen tun sich auf. Es bedarf keiner geschlossenen Fachbibliothek Geschichte an der Universität Greifswald um den Handlungsbedarf des Ministeriums zu entdecken. Schon heute finden sich an der vorpommerschen Universität übervolle Seminare und Vorlesungen. Die Zahl der Studierenden steigt weiter. In diesem Jahr werden sich 120.000 zusätzliche Studienanfänger an deutschen Universitäten immatrikulieren. Auch Mecklenburg-Vorpommern wird diesen massiven Anstieg bewältigen müssen. Soll das ohne mehr Geld tatsächlich möglich sein? Bedarf es nicht grundlegenden Sanierungen der Gebäude und umfangreichen Mittelzuweisungen für eine gute Lehre!

Dem neuen Lehrerbildungsgesetz, das am 1. August 2011 in Kraft trat, gingen damals zähe Verhandlungen voraus. Studiengangskapazitäten für verschiedene Schularten werden nun vom Bildungsministerium festgelegt. Wenn Mathis Brodkorb kein „Aufbau West“ möchte, dann bleibt die Frage, wer dann die jährlich 26.000 benötigten Neubesetzungen von Lehrern in Deutschland mitleisten soll? Reicht eine Konzentration auf die verlangten Kapazitäten in Mecklenburg-Vorpommern wirklich aus?

Du stellst die Frage und der Bildungsminister wird antworten!

Der Bildungsminister möchte Antwort geben. Doch sollen nicht nur die hier kurz erwähnten Fragestellungen dem Minister vorgelegt werden, sondern ich möchte die Leserinnen und Leser früh in das Interview mit einbinden. Ihr habt die Möglichkeit eure Fragen an Mathias Brodkorb direkt in die Kommentare zu schreiben und die interessantesten Fragen, durch eine Kommentarbewertung, zu ermitteln. Eine Mehrfachbewertung ist ausdrücklich erlaubt. Wer für das Thema brennt und sich die Zeit nimmt seinen Browsercache zu löschen, der soll auch mit einer doppelten Bewertungsoption bedacht werden.

Ihr könnt maximal 5 Sterne für eine Frage abgeben. Die 6 bestbewertesten und am häufigsten anklickten Fragen gelangen dann schnurstracks in die Hände von Mathias Brodkorb. Er hat mir eine rasche Beantwortung zugesichert. Ihr könnt bis 15 Uhr am Donnerstag, den 16. Februar, Fragen stellen und die Kommentare bewerten.

Update

Stand 16. Februar (15 Uhr): Die Fragen von Bastian (Rating: 3,3 / 48 votes), Katharina (Rating: 4,7 / 47 votes), Martin (Rating: 3,0 / 33 votes), Dennis Klüver (Rating: 3,0 /36 votes), Erik (Rating: 3,1 / 33 votes) und J.W. (Rating: 2,8 / 32 votes) liegen Mathias Brodkorb nun vor. Die Antworten werden auf diesem Blog schnellstmöglich veröffentlicht.

Foto: Mathias Brodkorb / regierung-mv.de / keine CC-Lizenz

12 Gedanken zu „Fragen wir ihn doch einfach | *Update*“

  1. Die Kultusministerkonferenz (KMK) geht in ihrer neuen Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen davon aus, dass die Zahl der Studienanfänger bis zum Jahr 2019 deutlich mehr als 450.000 betragen werde, die Präsidentin der HRK fordert einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur an den Hochschulen (Personal, Räume, etc.), um dem Mehrbedarf gerecht zu werden.
    In M-V haben die Hochschulen einen enormen Stellenabbau verkraften müssen, inwieweit ist dies angesichts der zukünftigen Studierendenzahlen zu korrigieren?

  2. Mecklenburg-Vorpommern kann eine spezielle Nähe zu den Ländern Polen und Schweden vorweisen. Hierbei geht es um Tourismus, wirtschaftliche Entwicklung, kultureller Austausch, Kooperationen im Bildungs- aber auch im medizinischen Bereich. Um mehr „Nutzen“ und „Gewinn“ aus der geographischen, kulturellen und politischen Nähe zu unseren polnischen und schwedischen Nachbarn (schwedische Nachbarn i.W.S.) zu ziehen, könnte man bereits in der Bildung die Weichen stellen. Ich rede hier u.a. von einem besseren Angebot der polnischen und schwedischen Sprache an den Schulen.

    1. Denken Sie nicht auch, dass Schwedisch und Polnisch in MV als Ersatz bzw. gleichwertiges Angebot neben Französisch und Russich an den Schulen existieren sollte?

    und 2. (es ist ja ein Blog eines Studenten und daher auch eine hochschulorientierte Frage)

    Wie sehen die Chancen der oben erwähnten Nähe im hochschulpolitischen Bereich? Sollten evtl. Programme geschaffen werden, welche einen Austausch mit Polen/Schweden erleichtern und erweitern? Sollte die Sprachbildung an den Universitäten erweitert und i.S. des Zuganges erleichtert werden? Sollte man nicht vllt. auch weitere Bildungsverträge für einen besseren Austausch von Studierenden / Material / Zugängen zu den Hochschulen usw. abschließen?

    Man muss nicht immer nur nach Bayern oder BaWü schauen, wenn Lösungen und Ideen viel näher liegen.

    1. Huch, das waren ja gleich fünf Fragen, welche thematisch zwar sehr beieinander liegen, jedoch schwer einzeln abzustimmen sind. Bitte zukünftig auf eine Frage konzentrieren.

  3. Ist Ihre Lebensgefährtin noch immer im Finanzministerium tätig und mit welchen Referenzen ist sie das? Wieso gab es keine Ausschreibung?
    Was unterscheidet Sie dahingehend von sagen wir einem Christian Wulff?

  4. Wann hat man in ihrem Ministerium zum letztenmal über eine Förderung von kommunalen oder vereinsgetragenen Kinos in MV nachgedacht und eine Förderung angedacht ?

  5. Unterstützt das Bildungsministerium Überlegungen die Universität Greifswald bis 2015 zur 1. CO2 neutralen Universität der Welt zu machen?

  6. Mit geht es vor allem um Studentenzahlen. Die Studentenzahlen der Universitäten Rostock und Greifswald nähern sich einander in den letzten fünf Jahren tendenziell immer mehr an, nachdem die Uni Rostock früher deutlich mehr Studenten hatte als die EMAU Greifswald. Frage: Ist es nicht an der Zeit, Personalkapazitäten (Professuren, wissenschaftliche Mitarbeiter) und Etats im Hochschulbereich stärker anzugleichen? Rostock hatte z.B. im Jahr 2008 respektive 2009 etwa 50% mehr Professoren als Greifswald — Studentenzahlen, und damit also auch die Attraktivität einer Universität, können bei den ministeriellen Stellenberechnungen also offenbar kein Kriterium sein. Wie bewerten Sie zudem die Tatsache, dass in Greifswald etwa 60 Prozent der Studenten aus anderen (Bundes-)Ländern „hergelockt“ werden können (Stichwort: Wissen lockt. Seit 1456.), während dies in Rostock nur etwa 40 Prozent sind. Zeigt dies, dass die Uni Greifswald für Studenten attraktiver ist oder gibt es dafür andere Gründe?

    1. ganz einfach. guck doch an wie viele studenten aus berlin kommen. nach fu hu und tu-berlin ist greifswald doch praktisch die vierte berliner uni. und diese studentinnen bleiben bestimmt nicht hier sondern sind nur da, weil berlin relativ nahe leigt

      1. Rostock (2:38 h) ist per Bahn schneller von Berlin aus zu erreichen als Greifswald (2:46 h) und liegt zudem noch etwa 1,5 Stunden dichter an Hamburg. Das ist also kein Argument!

  7. Mecklenburg-Vorpommern hat derzeit den Vorsitz im deutsch-polnischen Ausschuss für Bildungszusammenarbeit (4. Ausschuss der deutsch-polnischen Regierungskomission für regionale und grenznahe Zusammenarbeit) inne.
    Ziele u.a.: Förderung der Nachbarsprache, Lehrer- , Schüleraustausch, Anerkennung von Berufsabschlüssen, Hochschulkooperationen, Verbesserung der Zugänge zum Arbeitsmarkt des Nachbarn.
    Der Ausschuss hat 3 Arbeitsgruppen gebildet: 1. Allemeine Schulische Bildung (einschließlich frühkindliche Aspekte), 2. Berufliche und 3. Hochschulbildung.
    Welche Arbeitsschritte wurden in den jeweiligen Arbeitsgruppen bereits unternommen? Wie wird MV (Vorsitz) als Nachbarland Polens den Herausforderungen der deutsch-polnischen Bildungsarbeit gerecht?

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