Aufbau West

NDR 1 Radio MV. Eine Institution. Option zum prämodernen Wahlkampf der Parteien von Mecklenburg-Vorpommern und Informationsgarant für die regionale Berichterstattung (Aktuell werden die Hörer von NDR 1 RADIO MV aufgefordert Bilder von ihren frierenden Haustieren zu schicken).

In die seichte Unterhaltung mischte sich am Dienstag (31. Januar) eine Sendung des Kulturjournals. Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb sollte nach 100 Tage im Amt, zusammen mit den Redakteuren Heike Mayer und Wolfram Pilz, Bilanz ziehen. Ich habe um die Option gebeten aus einem Mittschnitt des Interviews einen kleinen Beitrag mit vereinzelten Audio-Schnipseln zu zaubern, doch aus „lizenzrechtlichen Gründen“, so teilte mir Joachim Böskens (Chefredakteur für Hörfunk/Fernsehen im Landesfunkhaus MV) mit, konnte dieser Anfrage nicht zugestimmt werden. Paradox: Pünktlich am Freitag landete meine GEZ-Rechnung im Briefkasten, die ich natürlich sofort sorgsam überwies. Der NDR sah sich, aufgeschreckt durch den Wunsch nach Wiederholung des Kulturjournals, „genötigt“ die Sendung im beliebten Windows-Media-Player-Format zu veröffentlichen.  Für Freunde des schnellen Internets wurde ein fest integrierter Flash-Player installiert.

Doch ich möchte mich nicht länger an der Veröffentlichungspraxis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufhalten, sondern von den Aussagen des Bildungsministers berichten. Brodkorb machte auf die angespannte Haushaltslage aufmerksam. Er widersprach der Aussage, dass die Theater im Land weniger Geld bekommen würden und sprach von der Steigerungsrate der Theaterzuweisungen in den letzten Jahren.  Zur Schul- und Lehrerbildung äußerte sich Brodkorb ebenfalls. Auf die Frage von Redakteur Pilz nach den Möglichkeiten um junge Lehrer im Land zu halten, verwies Brodkorb auf die Aussicht, dass Lehramtsstudenten bereits im ersten Jahr Vorverträge für das Referendariat und den Berufsplatz erhalten.

Bildungsoffensive der Greifswalder Kunstwissenschaft
Bildungsoffensive der Greifswalder Kunstwissenschaft

Paula Oppermann, Mitglied im Greifswalder Studierendenparlament, macht in einem kurzen Audiobeitrag auf die angespannte Situation am Historischen Institut und die geschlossene Fachbibliothek Geschichte aufmerksam. Brodkorb sagte: „Man solle weniger auf Masse, sondern auf Klasse achten“ und sprach sich für weniger Studenten an den Universitäten aus . Gemessen an der Zahl der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern finanziere das Land auch die Unterversorgung von Studienplätzen anderer Bundesländer mit. Der Minister nannte diesen Vorgang im Interview „Aufbau West!“ und sprach von einer „anständigen Hochschulausstattung“. Einer wirklichen Antwort auf die Bau- und Raummängel der Universitäten blieb er damit schuldig. Es folgten Hinweise auf die Landesarchäologie, die Denkmalpflege und dem Wunsch nach Wahrung und Erhaltung der Kunstschätze von Mecklenburg-Vorpommern.

Insgesamt kann den Redakteuren der Vorwurf gemacht werden, zu wenig nachgehakt zu haben, gerade bezüglich der genauen Situation an den Hochschulen. Der Minister verstand es aber auch eher auf Erfolge, denn auf Probleme aufmerksam zu machen.

Die Sendung kann hier nachgehört werden:

TEIL 1TEIL 2TEIL 3TEIL 4TEIL 5

Update

Dazu ein Kommentar von Dennis Kwiatkowski (student. Senator der Universität Greifswald):

Bei der Qual der Wahl des Studienortes hilft die gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur herausgegebene Broschüre „Studieren mit Meerwert – Studieren in MV“.

Studieren mit Meerwert. Lernen, wo andere Urlaub machen und vom Hörsaal direkt ans Wasser. Mit diesem Spruch wirbt Mecklenburg Vorpommern um Studierende. Gleichzeitig spricht sich der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mathias Brodkorb in seinem Interview im NDR für weniger Studierende an den Universitäten aus, spricht vom „Aufbau West“ und meint „man solle weniger auf Masse, sondern auf Klasse achten“.

Ich finde, da macht es sich Herr Brotkorb ein bisschen zu einfach. In Mecklenburg Vorpommern studieren viele junge Menschen, gerade aus anderen Bundesländern. An den Universitäten in Mecklenburg Vorpommern sind sie nicht mehr weg zu denken. In Greifswald sind es beispielsweise mittlerweile 72% die ursprünglich aus anderen Bundesländern kommen und jetzt hier studieren. Zum Teil weil die dortigen Hochschulen überrannt sind (siehe Berlin) zum anderen aber sicher auch, weil sie erkannt haben wie schön es z.B. hier in Greifswald ist und wie gut es sich „eigentlich“ hier studieren lässt, wenn nicht gerade die Dächer der Institute einstürzen oder man nur erschwert an seine Bücher kommt. Woran die Studierenden aus den anderen Bundesländern aber sicherlich keine Schuld tragen.

Ich bin der Meinung, dass wenn man möchte, dass die Leute in Mecklenburg Vorpommern studieren – und nichts anderes impliziert die Kampagne „Studieren mit Meerwert“ – dann sollte man die Hochschulen auch finanziell so ausstatten, dass dies möglich ist. Und da ist es nun mal zu kurz gegriffen, den Universitäten die Schuld zugeben, indem man sagt, sie sollen weniger Studierende aufnehmen und „weniger auf Masse, sondern auf Klasse achten“.

Ein Gedanke zu „Aufbau West“

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