Bildungsminister Brodkorb bezieht Stellung | INTERVIEW

Ihr hattet die Möglichkeit eure ganz persönlichen Fragen an den Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern zu stellen. Wir wollen euch nicht länger auf die Folter spannen und euch nun die Antworten von Mathias Brodkorb (SPD) präsentieren:

Katharina: Die Kultusministerkonferenz (KMK) geht in ihrer neuen Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen davon aus, dass die Zahl der Studienanfänger bis zum Jahr 2019 deutlich mehr als 450.000 betragen werde, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz fordert einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur an den Hochschulen (Personal, Räume, etc.), um dem Mehrbedarf gerecht zu werden. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Hochschulen einen enormen Stellenabbau verkraften müssen, inwieweit ist dies angesichts der zukünftigen Studierendenzahlen zu korrigieren? (Rating: 4,7 / 47 votes)

Mathias Brodkorb (Bildungsminister): Gar nicht, denn über die Zahl der Studierenden in Mecklenburg-Vorpommern entscheidet nicht die KMK, sondern einerseits das Land durch die Frage, wie viele Studienplätze es bereitstellt, und andererseits die Studierenden durch ihre Studienortwahl. Wir werden langfristig 20.000 Studienplätze für die „eigenen“ Studierenden benötigen, bieten aber dauerhaft allein aus Landesmitteln Studienplätze für etwa 30.000 Studierende. Die aus Hochschulpaktmitteln finanzierten Studienplätze kommen noch hinzu. Wir stellen also rund 50 Prozent über Bedarf Studienplätze bereit. Wenn alle Bundesländer so handeln würden, gäbe es deutschlandweit auch keinen Mangel an Studienplätzen.

Bastian: Herr Brodkorb, sind sie für eine Verbeamtung von jungen Lehrerinnen in Mecklenburg-Vorpommern? (Rating: 3,3 / 48 votes) „Bildungsminister Brodkorb bezieht Stellung | INTERVIEW“ weiterlesen

Fragen wir ihn doch einfach | *Update*

Geld kann Konzepte nicht ersetzen. Ein oft gehörtes Kredo von Mathias Brodkorb. Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern (SPD) verlangt langfristig finanzierbare Strukturen und klare Botschaften. Es mussten keine 100 Tage im Amt vergehen, bis sich offene Kritik an diesem Ansatz aufzeigte. Die Kreativen im Land verlangten mehr Geld für die Theater. Brodkorb versprach Reformen, jedoch ohne Kürzung des Etats für die breite Theaterlandschaft. Ähnlich äußerte sich der SPD-Politiker in einem NDR-Interview. Er sprach, mit Blick auf die steigenden Studierendenzahlen an den Universitäten des Landes, von einem „Aufbau West“. Dennis Kwiatkowski, Senator der Universität Greifswald, zeigte sich bissig und erwiderte „(…) wenn man möchte, dass die Leute in Mecklenburg Vorpommern studieren – und nichts anderes impliziert die Kampagne des Bildungsministeriums „Studieren mit Meerwert“ – dann sollte man die Hochschulen auch finanziell so ausstatten.“ „Fragen wir ihn doch einfach | *Update*“ weiterlesen

Ohne sie geht nichts | INTERVIEW

Der Professor erscheint nicht. Das ist allen anwesenden Kommilitonen jetzt klar. Es betritt ein Mitarbeiter seines Lehrstuhls den Saal, stellt sich neben das Pult, blickt in die Runde und berichtet von einem wichtigen Kongress, auf dem betreffender Lehrstuhlinhaber zugegen ist. Der promovierende Mitarbeiter übernimmt sogleich die Veranstaltung und hält eine überaus interessante Vorlesung. Er wirkt sicher, redegewandt und überzeugt durch ein gutes Lehrkonzept. Der Mitarbeiter hält nicht nur den Betrieb aufrecht, er lässt die Veranstaltung frischer wirken. Doch in der Wissenschaft ist die eigene Forschung ausschlaggebend. Gute Aufsätze, Artikel und Beiträge in Fachzeitschriften und Büchern sind elementare Grundvoraussetzung für wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Didaktik spielt da kaum eine Rolle. Daher überrascht die „Performance“.

Doch das angesprochene Problem bleibt akut. Nachwuchswissenschaftler erhalten fast ausschließlich befristete Verträge, wenden die bezahlte Arbeitszeit für die Lehre auf und müssen – quasi nebenbei – die Doktorarbeit schreiben. So hangeln sich die wissenschaftlichen „Lehrsklaven“, wie sie die „tageszeitung“ aus Berlin nennt, von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag. Eine gesicherte Lebensplanung ist nicht möglich und Zeit für die eigene Forschung bleibt kaum. Ich sprach mit Dr. Dirk Mellies, einem ehemaligen promovierenden Mitarbeiter am Historischen Institut der Universität Greifswald und heute in der öffentlichen Verwaltung tätigen Beschäftigten, über die Möglichkeiten zur Verknüpfung von Lehre und Doktorarbeit, grundsätzlichen Zweifeln am deutschen Universitätssystem und außeruniversitären Arbeitsverhältnissen.

Mitarbeiter an der Uni: Zwischen Doktorarbeit, Lehre und Forschung

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